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#2 Philipp der Lebensmitteltester

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Nachdem die gestrige Nacht dann doch unverhofft lang war, vermochte ich nicht anders als erst um 12:30 Uhr aus dem Bett zu fallen. Nils ging es nicht anders, deswegen begann der Tag um 14 Uhr mit dem Mittagessen.
Nicht weiter aufregend, allerdings ist es schon was anderes als in Deutschland essen zu gehen.
Zu vielen Speisen im Restaurant erhält man prinzipiell: Eine Suppe, Kimchi und ein paar andere „Snacks?“: Rettich, Seetang oder Algensalat und natürlich Reis. Diese sind kostenlos, Kimchi gibt es soviel man will (oder bis man es leid ist, was bei mir überraschenderweise noch nicht der Fall ist).
Das Essen ist etwas ungesitteter als bei uns. Während man in Deutschland kritisch beäugt wird, wenn man mit offenem Mund isst, so ist der Fall hier genau andersrum. Wer nicht schmatzt ist komisch.
Das ist unter anderem auch dem geschuldet, dass man mit Stäbchen nicht so präzise Essen kann wie mit Messer und Kabel. Sind die Portionen zu groß, schaufelt man sie sich in den Mund und schlürft den Rest hinein. Oft genug gesehen.

Eigentlich wollten wir uns im Convenience Store nur etwas zu trinken holen, da kam uns die brillante Idee, willkürlich Lebensmittel zu kaufen die interessant aussahen. Daher habe ich Nils auch gebeten mir nicht zu sagen / übersetzen, was drin ist. Vorerst bin ich da noch etwas vorsichtig und kaufe nur abgepackte Lebensmittel die wie Süßigkeiten und Getränke aussehen, eventuell wird das aber noch etwas ausarten.
Das Ganze fing damit an, dass ich am Vortrag einen „Eistee“ kaufen wollten, der für mich den Geschmack „Pfirsich“ anmuten ließ. Weit gefehlt.

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Der erste Schluck – mmh, komisch, wonach schmeckt das jetzt? Das kommt dir bekannt vor. Auf den zweiten und dritten merkte ich dann, dass es Mais ist. Ja, ein Tee der nach Mais schmeckt. Nils Kommentar: Das riecht schon wie ein Maislabyrinth.

Heute Mittag dann ein paar Süßigkeiten die wie ein Arsch aussehen, aber nicht so schmecken, dazu ein „Iced Hazelnut Wasauchimmer“. Letztendlich stellte sich heraus, dass es einfach abgepackter Kaffeesaft mit Haselnuss Aroma war. Diese schüttet man über einen Becher voller Eis (im Hintergrund zu sehen). Das ist sehr üblich hier, und man kann fast alle Geschmacksrichtungen dazu kaufen. Nils hat sich übrigens für „Blue Lemonade“ entschieden, was definitiv nach pürierten Schlümpfen aussah und schmeckte.
Review meiner Einkäufe: Die Aprikosenärsche waren ganz okay, solide 4/5. Das Eisgetränke schmeckte allerdings eher nach: „Wir wollen ein Getränk herstellen, das nach Kaffee schmeckt, dann ist uns aber das Budget ausgegangen. Wir bringen es aber trotzdem auf den Markt“. Heraus kommt dann etwas was wie Kaffee sein sollen, dann aber wirkt wie gewollt und nicht gekonnt.

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Den Rest des Tages verbrachten wir in einem Café mit Nachhilfe bzw. Schreiben und Fotos bearbeiten. Sehr interessant ist, dass alle Cafés voll mit Studenten sind die nichts anderes tun als Lernen (aka die ganze Zeit auf ihr Handy starren und ohne Kopfhörer Videos gucken).
Gegen Abend hin gab es eine Bulgogi Pizza. Sah aus wie Pizza mit Hackfleisch, hat in etwa auch so geschmeckt. Wir haben uns dann in den Gemeinschaftsraum von Nils‘ Bleibe gesetzt, die nächsten Tage geplant, wild gegoogelt was es in Seoul alles zu sehen gibt (bzw es versucht, es ist einfach alles nur auf Koreanisch!).

Als wir feststellen mussten, dass Dienstags fast alle Locations geschlossen sind, machten wir uns auf in den benachbarten Stadtteil Gangnam, in der wir uns eine Shishabar suchten (die es hier auch überraschenderweise gab).
Im Gegensatz zu den deutschen Pendants läuft hier nicht so viel Scheißmusik, man sitzt prinzipiell auf dem Boden und die Pfeifen sind sehr viel teurer.
Die Atmosphäre definitiv eine andere als in Deutschland, auch das Klientel war ein deutlich anderes. Selbst im Leben stehenden Geschäftsleute waren dort. Darüberhinaus war der im Keller liegende Laden auch nett anzusehen.

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Der Rückweg erwies sich als ebenso interessant. Gangnam bietet eine Menge vielseitige und kreative Architektur und ein paar sehr gruselig aussehende Wolkenkratzer. Wer Bladerunner kennt, weiß was ich meine. Kein Wunder, dass u.A. Seoul eine Inspiration für die Bilder in dem Film ist.

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(Photo Credit: Emotionengine on Flickr)

Einige Gebäude schreien „Evil Corporations“. So liegen vor den Samsung Headquarters diverse Plakate auf denen steht: Stop killing people. Hintergrund sind diverse Todesfälle in Verbindung mit der Herstellung von Plasma Fernsehern. Einerseits erschreckend an sich, dass solch gefährliche Arbeitsbedingungen in Korea herrschen, auf der anderen Seite war ich aber auch schockiert, dass über solch einen PR Skandal nie groß in Deutschland berichtet wurde. Andere Gebäude sahen aus, als würden Firmen nicht wollen, das man sieht was innen vor sich geht.

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(Photo Credits: (1) The Young Independents, (2) Google)

Einen letzten Stop machten wir beim 7-Eleven. Irgend hat es sich in den letzten drei nächsten eingebürgert, dass wir uns, wie alte Männer, abends noch vor den Convenience Store setzen und stundenlangen quatschen.
Dazu noch ein wundersames Getränk und Gummischlangen, aber leider nichts Aufregendes. Lediglich ein Multivitaminsaft und Weingummis. Schade.

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Ende Tag 2.